Schwein muß man haben ...
Hätte ich damals auf meine Kumpels gehört und wäre mit zum Baden gefahren, dann könnte ich mir diesen Text hier sparen. Aber nein, mir war nicht nach Wasser sondern nach "Straße" und so nahmen die Dinge ihren Lauf.
Vom letzten Grillabend noch etwas Kopfweh, dennoch mit klaren Kopf begab ich mich auf Tour und nach kurzer Fahrzeit durch das Werdenfelser Land entdeckte ich 3 Kurven voraus eine "Werksbayrische" in flotter Fahrweise. Wenn man nun eimal den in der Tierwelt notwendigen "Jäger und Opfer" Vergleich als Beispiel nimmt, dann würde nun der Jagdtinstinkt einsetzen, bei mir hat aber damals wohl das Gehirn ausgesetzt und die rechte Hand drehte sich nach unten.
Da wir uns, sagen wir es mal salopp, auf meiner "Hausstrecke" befanden kannte ich den Streckenverlauf aus dem FF und das wurde ja bekanntlich schon vielen Bikern zum Verhängniss. Es wurde überlegt wie und wo der Vordermann zu überholen sei und kurz vor der passenden Stelle, wo ich den "Werksbayer" versägen wollte, machte mir sprichwörtlich die Natur einen Strich durch die Rechnung.
Durch die Regenfälle der vergangenen Tagen hatte sich genau in der Linkskurve wo ich überholen wollte ein kleiner Wasserlauf quer über die hängende Straße ergeben, der mit ca. 160 Km/h Geschwindigkeit nicht mehr zu sehen war. In Schräglage begann das Hinterrad leicht zu schleudern, dadurch mußte ich Aufmachen und geriet auf den Grünstreifen am rechten Fahrbahnrand. Soweit so gut dachte ich mir noch und wollte die Karre ausrollen lassen, da sah ich den kleinen Weg der die Straße mit einen Fußweg verbindet und mit einen ca.30 cm tiefen Absatz versehen war genau quer zu meiner Fahrtrichtung voraus.
Die einzige Überlegung war noch Lenker hochziehen und darüber hinweg springen, was wohl mit einer Enduro vielleicht noch geklappt hätte, nicht aber mit einer "Straßenrennmaschine". Vorne ging die "Karre" noch irgendwie drüber aber hinten gab es einen Schlag als wäre ich mit einem Katapult in den Himmel geschossen worden.
Ich kann mich noch heute daran erinnern das ich im "Fluge" immer wieder den blauen Himmel, die grüne Wiese, die Straße und das Motorrad im bunten Mix vor meinen Augen hatte. Der einzige Gedanke war, daß der Aufschlag gleich sehr heftig sein wird und ich bis auf weiteres nicht zur Arbeit brauche und Morgen wohl einige Schmerzen haben werde. Von einem "kontrollierten" Flug konnte nicht die Rede sein aber irgendwie landete ich dann in Rückenlage mit einem heftigen Schlag auf der Wiese und schleuderte auf die Straße, wo ich nur noch das Bremsen und Hupen der Autos und den Einschlag des Motorrades irgendwo hinter mir wahrgenommen habe.
Wohl von einem unbeschreiblichen Lebenswillen angetrieben, mit 6 gebrochenen Rückenwirbeln, unzähligen Prellungen und einer Lungenquetschung versehen, raffte ich mich noch auf um schleunigst den Gefahrenbereich zu verlassen, denn eine Kollision mit einem Auto war sehr naheliegend. Wieder am Grünstreifen angelangt war das erste was ich wahrgenommen habe der Notarzt, der den Hubschrauber abbestellte und mir eine 27.-DM günstige Fahrt in das Kreiskrankenhaus Schongau buchte. Dort durfte ich dann den "Luxus" eines 6 wöchigen Bettaufenthaltes mit anschließender Reha und Wiedereingliederung ins Leben genießen.
Kurz und gut gesagt:
wieder einmal richtig Schwein gehabt !
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